Auf und nieder – immer wieder

Ja , so geht’s jetzt eigentlich die ganze Zeit dahin (es ist Spätsommer 2011).

Mutti frühstückt jetzt oft spät und isst dann oft nichts Richtiges zu Mittag. Sie vergisst auch, dass sie schon etwas gegessen hat, und isst nochmal. Dementsprechend geht auch ihr Gewicht nach oben; das ist ganz schlecht, weil sie sich wegen einer Lungenerkrankung sowieso mit dem Schnaufen sehr schwer tut.
Nachmittags legt sie sich wieder hin, schläft viel, vergisst Verabredungen, sitzt viel auf ihrem Balkon und schaut Zeitungen an, oder schaut nur so vor sich hin.

Einen Termin bei unserer Homöopathin hat sie total vergessen, da bin ich dann halt allein hingegangen und habe ihr Muttis Befinden geschildert. Mutti war total niedergeschlagen, dass sie nicht mehr an diesen Termin gedacht hat, und meinte:
„Ich werd jeden Tag blöder!“

Die Heilpraktikerin hat wieder passende Globuli rausgesucht, und ich habe Mutti versprochen, dass ich mich nochmal erkundige, was wir tun können.

Die Wirkung der Kugerl setzt meist sehr schnell ein, und dann geht’s eine Weile wieder besser – auf und nieder halt.

Teilweise erinnert sie sich recht gut, teilweise ist gerade Gesprochenes auch sofort wieder weg. Sie kauft fast nur noch Käse, Butter und Semmeln: immer und immer wieder. Ich habe den Eindruck, dass alles, was sie nicht direkt im Blick hat, einfach nicht existiert für sie. Zettel an der Kühlschranktür, die sie erinnern sollen, wann sie was essen kann, nimmt sie bald nicht mehr wahr.

Immer wenn ich bei ihr bin (meist gibt es ja ein paar Dinge im Haushalt zu erledigen), kontrolliere ich den Kühlschrank auf abgelaufene oder verdorbene Lebensmittel. Meist darf ich nichts davon wegwerfen weil sie meint: „Das kann ich schon noch essen.“
Also nutze ich die Zeit wenn Mutti gerade nicht in der Küche ist, und verstecke die Dinge in meinem Korb – ich fühle mich entsetzlich schlecht und auch hilflos.

In dieser Zeit streiten wir oft.
Das ist normalerweise gar nicht unsere Art, aber wir geraten immer wieder böse aneinander. Wir weinen beide, ich schreie sie an, dass sie ja gar nichts ändern will, dass ihr sowieso alles egal ist, und sie wimmert wie ein kleines Kind: „Sag mir halt, was ich tun soll! Ich weiß doch gar nicht was ich tun soll! Hilf mir halt!“

Ich habe jedesmal schon Angst, wenn ich wieder hin muss. Sage zu ihr, dass es gar keinen Sinn mehr macht, wenn ich alleine komme, weil wir sowieso jedesmal streiten. Ich sage, dass wir dann halt nur noch irgendwo zu Besuch hinfahren, oder ich komme nur noch, wenn mein Mann auch Zeit hat. Aber wir zwei alleine, das ist ja wirklich sinnlos und so weiter und so weiter….

Es ist die Hölle!

Ich spüre keine liebevolle Wärme mehr in meinem Herzen, es ist eiskalt, wie eingefroren.
So kann das nicht weitergehen. Mutti tut mir unendlich leid, aber ich kann ihr nicht helfen, ich verstehe auch die Krankheit nicht.

Ich muss einen Weg finden, wie ich besser mit Mutti umgehen kann, weil so arbeiten wir uns gegenseitig auf.

Ich muss mir dringend Hilfe suchen!

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