Die Zeit und die Demenz schreiten fort…

…und ich mag mir gar nicht ausmalen, wohin die Reise eines Tages gehen wird.
Seit der Ausbildung zur Demenzbegleiterin ist mir erst so richtig klar geworden, dass Mutti noch ganz am Anfang der Krankheit steht.
Dinge, die ich vorher als „total schlimm“ empfunden habe, sehe ich jetzt mit mehr Gelassenheit – manchmal jedenfalls, und soweit man in diesem Zusammenhang überhaupt von „Gelassenheit“ sprechen kann.

Ich komme mir manchmal vor, wie die Kugel in einem Flipper-Automat. Kaum denke ich, ich bin angekommen, schon katapultiert mich eine unbekannte Kraft wieder in eine ganz andere Richtung.

Mal geht alles ganz gut:

  • Mutti kocht
  • Sie ruft ihre Lieben zum Geburtstag an
  • Sie geht zum Balance-Treffen im ASZ
  • Sie wäscht und bügelt, macht ein bisschen was in ihrem Haushalt, und alles erscheint halbwegs „normal“.

Dann kommt wieder eine Kurve:

  • Mutti sagt: „Das kann man ja gar nicht glauben, dass man in einem Jahr so blöd werden kann.“
  • Sie weiß nicht mehr, was wir ausgemacht haben und traut sich- aus Angst, dass sie geschimpft wird – nicht anzurufen.
  • Sie vergisst, dass sie sich 1/2 gegrilltes Hendl gekauft hat und findet es Tage später in ihrem Einkaufswagerl wieder.
  • Sie fährt in die Stadt, um sich mit Bekannten in einem bestimmten Lokal zum Ratschen zu treffen; am Marienplatz angekommen weiß sie weder, warum sie in die Stadt gefahren ist, noch dass sie sich an einem bestimmten Treffpunkt mit Freunden verabredet hat. Sehr verunsichert und total kaputt legt sie sich daheim ins Bett und schläft erst mal vor lauter Erschöpfung ein.

Und dann wieder:

  • Wir gehen mit ihr ins Bauerntheater.
    Das mag sie besonders gerne, da sie ja „vom Fach“ ist.“
    Sie hat mit Ende 50 bei einer Laien-Theatergruppe als Schauspielerin angefangen und sogar nach dem Tod von Vati hat sie sich alleine dem Amateurtheater „Zabello“ angeschlossen, welches kleine Sketche in Altenheimen zum Besten gibt.
    Da war sie immerhin schon 73 und ich muss ihren Mut und ihre Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber sooo bewundern
  • Sie schafft es, mit meiner Unterstützung, ihre Schwägerin und Nichte zum Kaffee einzuladen (große Kaffeerunden mit selbstgebackenem Kuchen waren in guten Zeiten ganz selbstverständlich).
  • Sie ratscht nach dem Mittagessen im ASZ noch mit einer Frau, die sie noch vom letzten Mal kennt, und bleibt, um sich einen Vortrag anzuhören.

Ja, was soll ich sagen? AUF und AB halt!

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