Es war einmal…

…Vater-Mutter-Kind

– eine glückliche Familie mit den allseits bekannten Höhen und Tiefen. Jeder war immer für den anderen da, und ich – das Kind – über alles geliebt. Dann der Schock. Vati hat einen Schlaganfall, wie wird’s jetzt weitergehen?

Mutti hat unendliche Kräfte entwickelt, Vatis Krankheit vor der Oma geheimgehalten, weil bei ihr gerade der Wohnungsumbau in vollem Gange war. Die roten verweinten Augen wurden kurzerhand auf eine Bindehautentzündung geschoben – hauptsache Oma und Opa bekommen erstmal nichts mit.

Ich weiß heute gar nicht, wie sie das alles schaffen konnte.
Die große Sorge um Vati, arbeiten gehen, die Wege zwischen Klinik, Oma und daheim, alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und dann nicht wissen, wie’s weitergehen soll.

Zum großen Glück hat Vati sich wieder ganz gut erholt und die Mutti kurzerhand mit 57 den Führerschein gemacht und auf Anhieb bestanden.

So konnte es dann ganz gut viele Jahre weitergehen, bis Vatis Krankheit ihn dann doch so langsam aus unserem Leben weggestohlen hat.

Nach einem schlimmen Jahr hat sich Mutti dann wieder auf die Füße gestellt, und ist neue Wege gegangen. Sie hat sich der Theatergruppe „Zabello“ angeschlossen und wurde sehr bald zur tragenden Figur in dieser Combo. Das „Texte lernen“ kannte sie ja noch von ihren früheren Theatergruppen. Und dass man sich den Anweisungen eines Regisseurs beugen sollte, war ihr auch nicht neu. Also kam sie auch sehr gut mit der Leiterin dieser Gruppe zurecht. Mutti hatte die Gabe, Kritik nicht persönlich zu nehmen und versuchte immer, das Beste aus Allem zu machen.

Das gemeinsame Witwendasein hat sie auch wieder in engen Kontakt mit ihrer Jugendfreundin Elfriede gebracht. Sie hatten sich immer noch viel zu erzählen und so sind dann auch gemeinsame Urlaube in Bad Füssing zustande gekommen.
Elfriede, die Weitgereiste und Weltgewandte, und meine Mutti, die Einfache Zufriedene – aber das hat prima gepasst.

Doch auch ihre Elfriede hat sie verloren. Der Krebs hat sie nicht mehr länger leben lassen wollen. Doch Elfriede wusste Muttis bedingungslose Hilfsbereitschaft sehr zu schätzen und hat ihr als Dankeschön noch ein bisschen Geld hinterlassen – dass sie auch weiterhin in Urlaub fahren kann.

Einmal war Mutti schon alleine im Hotel, obwohl Elfriede noch lebte. Aber sie war zu krank um mitzufahren.

Nach dem schlimmen Verlust ihrer Freundin ist Mutti ganz tapfer wieder alleine gefahren und hat gleich bei der Ankunft auf 2 Wochen verlängert. Dadurch bekam sie dann ein super Zimmer mit kleiner Kochnische und allem Pipapo. Ihre Freude über dieses schöne Zimmer war unbeschreiblich und ich war sehr stolz auf sie, dass sie so mutig und unabhängig ist.

Doch ihre Freude währte nicht lang: ein kleines Unglück – wie es zuerst schien – überschattete ihren Urlaub.

Nachts musste sie aufstehen zur Toilette und rutschte von der Bettkante ab. Es kostete sie unendlich viel Zeit und Kraft, irgendwie wieder vom Boden hochzukommen. Nach ca. 1 Std. war sie dann endlich total nassgeschwitzt auf den Beinen und konnte zur Toilette.

Dort ist sie dann wohl beim Aufstehen gestürzt und kam nun wirklich nicht mehr hoch.

So lag sie dann über Stunden in dem kleinen Bad, bis dann endlich jemand in den frühen Morgenstunden ihr Rufen hörte und Hilfe holte.

Sie wollte keinen Arzt und traute sich auch nicht mehr aus dem Zimmer. Zum Glück hatte sie Elfriedes Rollator dabei, der machte es ihr etwas leichter.

Als sie mir das alles am Telefon erzählte, hab ich beim Hotel darauf bestanden, dass sie einen Arzt holen, was dann auch geschah. Allerdings hat der laut Mutti nur geschaut, ob sie sich was gebrochen hat – so ein Blödsinn.

Ich wollte sie dann sofort abholen, aber sie wollte ihre 2 Wochen durchhalten.

Sie war sehr traurig, dass der Urlaub so verlaufen ist, wo doch alles so schön gewesen wäre.

Ja das war im Juli 2010 – und das war wohl in der Rückschau der Anfang von unserem gemeinsamen Weg in die Demenz.

Sie klagte bald nach der Rückkehr, dass ihr Kopf so leer ist, dass das so komisch ist, aber das wird schon wieder. Ich konnte sie auch Zuhause nicht dazu bewegen, zum Arzt zu gehen – „das wird schon wieder“.
Und jetzt sitze ich da vor meinem Computer und kämpfe mit der Technik.

Die Idee, meine Erfahrungen, Erlebnisse, Tipps und Tricks im Umgang mit der Demenz bekannt zu machen, kam von der Leiterin einer Angehörigengruppe, an der ich jetzt regelmäßig 1x im Monat teilnehme.
Sie meinte, ich solle meine kreativen Ideen nicht für mich behalten, und so entsteht hier mein erster Blog – wer hätte DAS gedacht ?

 

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