Gedicht von Christa Astl – so wahr

Wie hier schon erwähnt, bin ich bei meinen Streifzügen durchs Internet auf die Schriftstellerin Christa Astl gestoßen, die sich in ihren Texten sehr mit dem Thema Demenz auseinandersetzt.

Ein von ihr geschriebenes Gedicht (vielen Dank, dass ich es hier veröffentlichen darf) beschreibt treffend die Situation, in der ich mich gerade mit meiner Mutti befinde – schmerzliche Zeilen…

 

Die alte Mutter (Demenz)

„Was ist mit mir los, ich kenn mich nicht mehr aus…
Wo bin ich denn jetzt, – das ist nicht mein Haus…
Ich möchte gehen, weiß nicht mehr wohin…
Wenn ich wo herkomm’, find ich nicht mehr dort hin…“

Sie weiß nicht was heut ist, was gestern, was morgen,
sie macht sich um ihre Kinder Sorgen,
sie glaubt, die sind klein und alleine zu Haus,
sie möchte zu ihnen, – sie will nach Haus!

Die Tochter versucht zu erklären in Ruh’,
Die Mutter versteht nicht, sie hört nicht mehr zu.
sie lebt nicht mehr hier, in der heutigen Zeit,
sie arbeitet mit der Vergangenheit.

„Mutter schau her, wir sind doch schon groß,
bist du nicht zufrieden, was hast du denn bloß?
Du hast’s doch so gut jetzt, bist in einem Heim!
Besser kann es doch für dich nirgends sein!“

Nein, nein, liebe Tochter, da hast du nicht Recht,
Die Mutter ist einsam, und es geht ihr schlecht.
Sie hat keine Zukunft, keine Freude, kein Glück,
hat Abschied genommen, geht den Weg nun zurück.

Sie wird wie ein Kind, sie braucht Hilfe und Rat,
hat vergessen, was sie geleistet hat.
Nimm dir Zeit, liebe Tochter, und setz dich zu ihr,
denn du hast sie nicht mehr sehr lange hier.

Und das mit dem „Hilfe und Rat“ geben ist ganz schwer für mich. Mutti war immer für alle die erste Anlaufstelle, wenn jemand nicht mehr weiter wusste und einen guten Rat brauchte.

Und jetzt soll ich IHR Ratgeber sein?

Die Frage stellt sich ja nicht einmal! Ich weiß, dass ich ihr Ratgeber sein MUSS.
Und dass ich auch manchmal Entscheidungen treffen muss, bei denen es mir den Magen umdreht – zum Wohl meiner Mutter!

Übrigens hat Frau Astl im Eigenverlag ein Buch geschrieben. Sie erzählt in ihren „Heimgeschichten“ über den Einzug der „Frau Aloisia Müller“ ins Heim. Und die erlebt dort so allerhand.

Christa Astl – Heimgeschichten
erschienen am 7.11.13 im Eigenverlag

112 Seiten
nur bei der Autorin erhältlich; Preis 12 Euro + Porto
32 kurze Geschichten, denen praktische Erfahrungen zugrunde liegen, begleiten eine Frau durch ihr erstes Jahr in einem Seniorenheim.
Zwei Frauen kommen am selben Tag in ein Altenheim. Frau Müller, eine aufgeschlossene
86jährige, kann ihren Umzug vorbereiten, während Frau Weidmann direkt vom Krankenhaus dorthin muss. Dadurch gewöhnen sie sich verschieden ein, treffen sich aber und werden gute Freundinnen.

Auch im Heim wird noch gelebt!

Dieser Beitrag wurde unter Altenheim, Persönliches, Schönes abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Gedicht von Christa Astl – so wahr

  1. maike opaska sagt:

    Liebe Autorin,
    Es ist sehr gut, dass Du das Thema mit diesem feinfühligen Gedicht ansprichst, denn die Menschen werden heutzutage immer älter und mit dem Altern kommt ja dann doch sehr oft eine Demenz. Oft sind die Angehörigen dann total hilflos, wissen nicht, wie sie mit dem geliebten Menschen, der jetzt ganz anders ist, umzugehen und ist dadurch für beide Seiten noch schwieriger. Mein Vater hatte auch Morbus Alzheimer und ich schreibe gerade einen Roman, in dem ich diese Thematik anspreche und hoffe sehr, ihn bis zum Herbst fertig zu bekommen. Diese Geschichte fertig zu schreiben ist mir durch Dein berührendes Gedicht nun ein besonderes Anliegen.
    Ich finde es sehr schön, dass Du bei vielen Deiner Geschichten über alte Menschen sehr ausdrucksvoll beschreibst, wie viel Kraft und Willen, Würde und Durchsetzungsvermögen in alten Menschen doch noch da ist und dass Du ihnen Stimme gibst, das gefällt mir und ehrt Dich sehr.
    Alle guten Wünsche für Dich
    Maike Opaska

    • Gabi sagt:

      Liebe Maike,
      es freut mich, dass Du meinen Blog gefunden hast – obwohl sich dieser ja zur Zeit in seinem wohlverdienten Dornröschenschlaf befindet.
      Schön finde ich, dass Dich dieses Gedicht so anspricht; mir ging es genauso, als ich es entdeckt habe.
      Allerdings stammen diese Zeilen nicht von mir, sondern von Christa Astl.

      Alles Gute und vielen Dank für Deine lieben Worte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*