Ich muss die Wohnung meiner demenzkranken Mutter räumen

Die Wohnung meiner Mutti zu räumen ist wie ein Fass ohne Boden.

Nachdem ich alles gesichtet, und die für mich wichtigen Dinge beiseite geräumt habe, lasse ich nach und nach unsere Verwandten durch die Wohnung stöbern.
Wen lasse ich zuerst kommen? Ich will ja niemanden vor den Kopf stoßen…
Gedanken wie diese machen mir das Leben schwer.

Mit meiner heutigen Erfahrung – das heißt rund 3 Jahre später – kann ich mich wirklich ärgern, dass ich es Allen recht machen wollte (und mir damit schwer).

Als ich mit einer meiner Tanten spreche und ihr sage, dass am soundsovielten außer ihr auch noch dieunddie Leute in Muttis Wohnung kommen und jeder sich aussuchen kann, was er gerne haben möchte, ist sie gar nicht begeistert.
Sie ist im Beisein von Anderen immer ein bisschen schüchtern und zurückhaltend und hat wohl Angst, dass sie so nicht zu ihren gewünschten Sachen kommt.

Also mache ich Einzeltermine – 
hab ja sonst nichts zu tun

Zuerst kommt meine Tante zum Räumen, dann mein Onkel, danach wieder 3 Tanten und so weiter.
Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Was die Menschen alles einpacken, wenn es nichts kostet, ist erstaunlich.

Als die 3 Tanten da waren, hab ich mir nur gedacht:

‚Wie bitte wollt ihr das alles mit der U-Bahn zu euren Autos bringen?‘

Diese hatten sie der Einfachheit halber am Stadtrand an einer U-Bahn-Station geparkt.
Ganz schnell hat sich herausgestellt, dass wir das alles erst mal in mein Auto packen; dann kann ich ja die ganzen Habseligkeiten zu dem besagten Parkplatz zu den Tantenautos befördern (welcher übrigens vollkommen entgegengesetzt zu meinem Heimweg liegt).

 

Drei_Tanten jpg

Drei Tanten bepackt mit Plastiktüten
– und ich mit einem rappelvoll gepackten Auto –
Wie der Auszug aus Jerusalem

Ein kleiner Teil der ganzen Wohnungs-Stöberer gibt mir ein bisschen Geld für Muttis Sachen (wer am Wenigsten hat, will am Meisten geben), und Einer hält nicht einmal ein „Danke“ für nötig.

Und am Ende dieser ganzen Räumaktionen stehe ich in Muttis gefledderter Wohnung und habe im Hinterkopf immer die Sorge, ob Mutti nicht doch irgendwo Geld versteckt hat. Aber nachdem ich wirklich x-mal durch alle Schränke gestöbert habe, muss ich jetzt einfach darauf vertrauen, dass ich nichts Wichtiges übersehen habe.

Ich überlasse den Rest einer wohltätigen Einrichtung, welche die Wohnung entrümpelt und die gut erhaltene Dinge dann gegen kleines Geld an Bedürftige verkauft.

Anfangs bin ich noch davon ausgegangen, dass die verwertbaren Dinge mit den anfallenden Kosten für die Entrümpelung gegengerechnet werden, aber das stellt sich als ein Missverständnis heraus.

Wieder eine Belastung für Muttis Konto 

Froh bin ich, dass die Hausverwaltung so kulant war, mich früher aus dem Mietvertrag herauszulassen. Die Wohnung sollte nämlich grundsaniert und die Verkabelung auf den neuen Stand der Technik gebracht werden, und so konnte ich wenigstens einen Monat Miete für Mutti sparen und in einen von der Wohnung unbelasteten Dezember starten.

Weihnachten steht vor der Tür.

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