Meine Rettung – eine Ausbildung zur Demenzbegleiterin

Eine Mitarbeiterin der Alzheimer-Gesellschaft Landkreis München Süd berät mich zuhause über verschiedene Möglichkeiten, wie ich mir Hilfe holen kann.

Bei diesem Termin fallen so Begriffe wie „integrative Validation“, „nichtmedikamentöse Therapie“, „Tagespflege für Demenzkranke“, „Wohngruppen“ – mir surrt der Kopf.

Wie soll ich mich da zurechtfinden, das klingt alles sehr umfangreich und mir so gar nicht geläufig. Anscheinend gibt es da nicht einfach so ein Patentrezept, wie man „es macht“…

Aber die VHS bietet zusammen mit der Alzheimer-Gesellschaft eine sogenannte Helferkreisschulung an. Im Oktober 2011 beginnt die Ausbildung und ich glaube, das ist genau das, was ich suche.

Und wie so oft im Leben, wenn man offen über seine Sorgen und Nöte spricht, finden sich Menschen, denen es ähnlich geht. Ich hätte die Schulung zwar auch alleine gemacht, aber der Umstand, dass eine gute Bekannte von mir auch mitkommen wollte (sie kümmert sich um ihre Tante), hat mir den Weg dann sogar noch erleichtert.
Geteiltes Leid ist halbes Leid – alter Spruch mit tiefer Wahrheit.

Die Schulung dauert 2 ganze Wochenenden und einen zusätzlichen Samstag. Das ist ganz schön geballt, zumal ich ja in diesen 3 Wochen zwischen Arbeit und Schulung nicht mehr viel Luft zum Schnaufen habe. Ich weiß heute eigentlich gar nicht mehr, wie ich in dieser Zeit die Mutti „eingeplant“ habe. Sie wusste zwar, dass ich Schulungen habe, aber den Inhalt habe ich großzügig als „was für die Arbeit“ umschrieben. Dafür hatte sie schon immer großes Verständnis, und das ist auch bis jetzt so geblieben.

Alles in Allem umfasst diese Schulung zum Demenzbegleiter 40 Unterrichtsstunden und vermittelt ein breites Wissen über z.B.:

  • rechtliche Rahmenbedingungen der Pflege
  • Basiswissen über gerontopsychiatrische Krankheitsbilder
  • Situation der pflegenden Angehörigen
  • Umgang mit den Erkrankten
  • Methoden und Möglichkeiten der Betreuung und Beschäftigung
  • Kommunikation und Gesprächsführung

Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer, und warum soll es da jetzt anders sein. Die Materie der Pflegestufen, Voraussetzungen, gesetzliche Grundlagen ist sehr trocken und für mich auch oft schwer verständlich – bis heute.
Aber im Verlauf der Schulung gibt’s auch viele Momente zum Staunen.

Ach so!
SO ist das. SO fühlt sich der an Demenz Erkrankte. SO kann ich besser mit der Situation umgehen…

Es ist, als müsste ich eine neue Sprache lernen; eine Sprache, die auch meine Mutti erreicht und sie nicht verletzt.
Es klingt jetzt sehr pathetisch, aber ich versuche, „die Sprache der Liebe“ zu lernen.

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