Meine Vorbereitungen auf den Besuch des MDK

Was lange währt…
wird zum Glück doch endlich eine funktionierende Internetverbindung!
In den Wochen „ohne“ hab ich schmerzhaft zu spüren bekommen, was es bedeutet, nicht online zu sein.

Doch jetzt ist wieder alles gut, und so kann ich weiter von unseren Erlebnissen erzählen.

Wie ich Euch vor einiger Zeit versprochen habe, kommt heute die Aufstellung meiner Beobachtungen für den MDK.
Wundert Euch nicht über meinen Schreibstil! Ich gebe hier nur meine Aufzeichnungen wörtlich wieder.
Sehr persönliche Dinge, die mir zu weit in die Privatsphäre meiner Mutti gehen, habe ich hier weggelassen; ich denke, das kann jeder verstehen.

Hier meine Tagebucheinträge:

FR, 20.7.2012
Kam morgens um 9:00 mit Frühstückssemmeln zu Mutti. Hat vergessen, dass ich komme, obwohl sie es gestern nach meiner Aufforderung in ihren Wochenkalender geschrieben hat.
Johanniter haben Rauchmelder installiert.
Mutti war ganz erledigt, hat angeblich geduscht.
Habe Wasserflaschen gebracht, mit Wochentagen beschriftet, einsortiert; leere Flaschen mitgenommen, zurückgegeben.
Fragebogen MDK ausgefüllt, Post sortiert, Ablage gemacht.
Müll und Altpapier entsorgt.
Mutti animiert zum Trinken und Spazierengehen – mag nicht so recht. Hab sie zum Friseur gefahren.
Mutti hat nachts den Notrufsender gesucht, hat ihn dann in einer Jackentasche gefunden.
(1. Sender war seit Anfang Juni nicht mehr auffindbar).
Sagt, sie muss zur Sparkasse, hat kein Geld mehr; sie war aber erst kürzlich. Wir haben zusammen nach dem Geld gesucht und gefunden.
Sie ist niedergeschlagen, sehnt sich nach ihrem Mann.

SA, 21.7.2012
Schriftverkehr mit Telefonanbieter erledigt, Werbewiderspruch.
Kuchen gebacken zum Einfrieren für Muttis Vorrat

SO, 22.7.2012
Hab Mutti zum Essen abgeholt. Mit Rollator auf den Friedhof gegangen, Kaffee getrunken. Habe Müll und Altpapier entsorgt, Wasserflaschen beschriftet und einsortiert.
Vorgekochtes Essen mitgegeben.

DI, 24.7.2012
Hat sich nach dem Frühstück wieder hingelegt. Will am liebsten nicht zum Essen gehen, obwohl sie angemeldet ist. Hab sie motiviert zu gehen, dass es ihr sicher gefällt. Sie ist so kaputt, alles ist so anstrengend.
Der im Juni verlegte Notrufsender ist wieder aufgetaucht. Laut Mutti lag er plötzlich da, sie hat keine Ahnung, wo sie ihn gefunden hat.

MI, 25.7.2012
Frühstück bei Mutti
Termin mit einer Mitarbeiterin der Johanniter und der ehrenamtlichen Demenz-Begleiterin bei Mutti

SA, 28.7.2012
9:00 Frühstück bei Mutti, Fenster geputzt.
Vorgekochtes Essen und Kuchen mitgebracht.
Bei ihr Wäsche und Vorhänge gewaschen, Bügelwäsche mit nach Hause genommen, eingekauft.
Wasser gebracht, beschriftet. Post sortiert und abgelegt. Durch Zufall auf Post in ihrer Jackentasche gestoßen; offene Rechnungen entdeckt.
Im Kühlschrank gekochtes Essen entdeckt (wurde am FR vom ASZ geliefert, weil sie vergessen hat, dass sie sich angemeldet hatte). Rest vom aufgetauten Essen vom Donnerstag war auch noch da.
Am Kühlschrank Zettel angebracht, was sie wann essen soll.
13:30 nach Hause

Und hier noch eine stichpunktartige Zusammenfassung von meinen Beobachtungen, die ich für den MDK notiert habe:

Treffen bei „Paulaner im Tal“ mit Bekannten aus ihrer früheren Theatergruppe war ausgemacht; Mutti ist hingefahren, wusste dann am Marienplatz nicht mehr, warum sie da ist und wo sie eigentlich hin will, ist etwas planlos herumgegangen und dann völlig erschöpft wieder nach Hause gefahren.

Auf dem Weg zur Kirche gestürzt, Passanten haben ihr geholfen, aufzustehen und sie heimgebracht.

Schaut vorm Überqueren der Straße oft nicht auf den Verkehr

Wusste nach einem Termin in ihrer Straße nicht mehr, in welche Richtung es nach Hause geht.

Traut sich nicht mehr alleine zum Harras mit der U-Bahn; wird von ihrer Nichte abgeholt und wieder heimgebracht.

Braucht lt. Memory-Klinik Struktur und Orientierungshilfe.
Braucht Anweisung, um aktiv zu werden; würde sonst am liebsten nur schlafen und auf dem Balkon sitzen (Termine zum Essen im ASZ, Friseur, etc)
Legt sich nach dem Frühstück oft wieder hin. Sagt oft bei Telefonat am Nachmittag, dass sie gerade aufgestanden ist, und jetzt zu Mittag isst (Kaffee trinkt)
Die vorhandenen Fähigkeiten müssen durch Anleitung erhalten werden.
Struktur im Tagesablauf bringt ihr Sicherheit; sie soll halt möglichst lange noch zuhause bleiben können.

Demenzbegleiter bzw. Nachmittagsbetreuung gegen Antriebslosigkeit, für mehr soziale Kontakte und Lebensfreude.
Es geht ihr immer besser an Tagen, wo etwas geboten war (Kartenspielen, Unterhaltung mit Nachbarin, Essen im ASZ, etc.).
Sie ist deutlich niedergeschlagener an Tagen, an denen nichts los ist.
Sehnt sich nach ihrem Mann, redet davon, dass der Herrgott sie holen soll.

Trinkt zu wenig; ich stelle ihr mit Wochentagen beschriftete 1,5 l –  Flaschen Wasser bereit.
Nimmt immer mehr zu; sagt oft abends, dass sie noch gar nichts gegessen hat; hat aber gerade vorher erzählt, was sie zu Abend gegessen hat. Ich vermute, dass sie z.B. mehrmals zu Abend isst.
Das Essen ist evtl. auch ein Ersatz für fehlende wirkliche Beschäftigung.

Hat die Kapseln, die zur Inhalation gedacht sind, eingenommen.
Seit Anfang Juni bekommt sie die Medikamente von einem Pflegedienst unter Aufsicht verabreicht.

Braucht Motivation und Erinnerungsanrufe (kurz vor dem Termin), dass sie zum Essen geht.

Ich entsorge öfter verdorbene Lebensmittel (bröckeliges gekochtes Ei zum Frühstück, angeschimmelte Salatgurke, lange abgelaufene Packungen). Sie hat keinen Überblick mehr über ihre Vorräte. Kauft immer die gleichen Dinge ein, kauft Sachen ein, die bergeweise im Vorrat sind (Semmeln, Käse, Butter, Konservendosen)

Trägt Termine nur ungern in ihr Terminbuch ein. Weiß dann aber oft unmittelbar danach nicht mehr, dass sie etwas eingetragen hat; schreibt dann auf Schmierzettel, und das immer wieder. Ich erinnere sie dann telefonisch mehrmals täglich an ihren Termin.
Arztbesuche und Termine zur Fußpflege werden nicht mehr alleine wahrgenommen.

Bevor wir die Wohnung verlassen fragt sie immer wieder: hab ich den Geldbeutel in der Tasche, hab ich Geld rein, brauch ich noch Geld, wo ist der Schlüssel, hab ich alles, was brauch ich noch, etc.

Weiß oft nicht welcher Wochentag ist, fragt immer wieder nach, ist sehr verunsichert.

Habe eine total eingebrannte Auflaufform von ihr mitgenommen zum Saubermachen: „Ja, da hab ich vergessen, dass ich was im Ofen hatte“ . Daraufhin habe ich von den Johannitern Rauchmelder installieren lassen.

Versteckt Geld an Orten, wo sie nie Geld verwahrt hat; denkt dann sie hat nichts mehr zuhause

Hausnotruf vorhanden, Sender verlegt. Jetzt ist der alte Sender wieder aufgetaucht, sie weiß aber nicht, wo der plötzlich wieder herkam.

Vergisst alle Geburtstage, auch von den ihr wichtigen Menschen

Habe verschmutzte Wäsche in ihrer Tasche gefunden (lag ca. 2 Tage da); den Rest kann man sich denken.

Habe eine ehrenamtliche Demenzbegleitung über die Johanniter organisiert.

Sie hat vergessen, dass sie sich für diesen Freitag im ASZ zum Essen angemeldet hat. Wurde von dort angerufen; hat sich das Essen nach Hause bringen lassen.
Am Samstag, als ich dort war, hat sie vergessen, dass sie dieses Essen im Kühlschrank hat. Habe ihr Erinnerungszettel am Kühlschrank angebracht, wann sie was essen soll.

Jetzt bin ich also gerüstet für den Termin mit dem MDK.
Da bin ich mal gespannt, was da auf uns zukommt. Man hört  ja die unterschiedlichsten Geschichten, was diese Begutachtungen angeht.

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