Mit Muttis Demenz geht’s rauf und runter – ganz wie auf der Achterbahn

Der Pflegedienst kommt mittlerweile zweimal täglich zur Medikamentengabe zu Mutti; nach einigen Hürden – weil der Arzt die Verordnung nicht richtig ausgestellt hat und auf dem Rezept nicht alle benötigten Hilfsleistungen vermerkt waren – hab ich es doch tatsächlich geschafft, dass wenigstens die Formalitäten stimmen.

Die erste Schwester machte einen sehr guten Eindruck auf mich, doch bald musste ich feststellen, dass nicht alle so sind. Ab und zu bin ich morgens vor der Arbeit oder auch am Wochenende zum Frühstück bei Mutti. Dabei kam es dann eines Morgens zu einem heftigen Streit mit einer Schwester.

Die Schwester hat Mutti die 2 verschiedenen Inhalationsmedikamente mit dem selben Inhalator verabreicht. Mutti versucht erfolglos das Pulver zu inhalieren, die Schwester kramt in irgendwelchen Unterlagen herum und bemerkt gar nicht, dass Mutti Schwierigkeiten beim Inhalieren hat.

Da schau ich genauer nach, und stelle den Fehler fest.

Als ich die Schwester darauf anspreche, wird sie sehr pampig und behauptet, dass es nur den einen Inhalator gibt.
Das ist glatt gelogen, was mich sehr wütend macht und wir geraten heftigst aneinander; nicht gerade gut, wenn der ganze Streit im Beisein von Mutti stattfindet  🙁

Ich habe im Vorfeld eine genaue Aufstellung der nötigen Medikamente mit Fotos gemacht und alles zusammen übersichtlich in ein Körbchen gepackt. Ausserdem müsste eine ausgebildete Pflegekraft ja auch wissen, dass nicht jede Kapsel zu jedem Inhalator passt. Und spätestens beim Aufräumen hätte sie merken müssen, dass der Wirkstoff noch in der Kapsel ist.

Ich nehme Kontakt mit dem Pflegedienst auf und erkläre die Sachlage.

Der Pflegedienstleiter sagt mir, dass diese Schwester private Probleme hat, und dass er schon mehrere Beschwerden bekommen hat.
Das ist zwar tragisch, aber gerade im Umgang mit Medikamenten dürfen keine Fehler passieren. Ausserdem habe ich den Pflegedienst beauftragt, um sicherzustellen, dass Mutti ihre verordneten Medikamente regelmäßig einnimmt.

Da will und muss ich mich drauf verlassen können.

Der Pflegedienstleiter bietet mir an, dass er diese Schwester auf einer anderen Tour einsetzt, und dass sie nicht mehr zu Mutti kommt. Ich denke, das passt, und wir schauen mal, wie’s weitergeht.

Mutti ist nach diesem Vorfall ziemlich niedergeschlagen, vergisst, dass sie ins ASZ zum Essen angemeldet ist, kauft Milch und Semmeln – die gleiche Leier wie vor der Memory-Klinik.
Ich erinnere sie am Telefon, dass sie zum Essen gehen soll, sie hat aber daheim schon Bratwürstchen gegessen. Ich sage, sie soll das Essen wenigstens abholen, was sie dann vermeintlich auch tut.

Abends erzählt sie mir dann, dass sie gerade mit ihrer Nachbarin telefoniert hat.
Dann erzählt sie mir, dass sie das Essen vom ASZ daheim gegessen hat (2x ?).
Dann erzählt sie mir, dass besagte Nachbarin zum Ratschen da war und dass sie ihr das Essen vom ASZ geholt hat.

Was soll ich nur glauben? Mutti ist total durcheinender.

Sie hat schwer zu kämpfen mit ihren kognitiven Einbußen, weiß nicht mehr, dass ich zum Kochen komme, taut sich was auf, vergisst es aber schnell wieder – es ist furchtbar!

Dann gibt es Tage, da geht es ihr wieder besser, sie fährt sogar zu ihrer Schwägerin zum Kartenspielen und ist hinterher sehr froh, dass sie sich aufgerafft hat.

Auf und nieder – immer wieder – wie soll das nur weitergehen?

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