Muttis „3-Wochen-Marathon“ in der Memory-Klinik

Rückblickend waren das für uns beide sehr anstrengende 3 Wochen in der
Memory-Klinik.
Ich hole Mutti jeden Morgen zuhause ab, so kann sie eine knappe Stunde länger schlafen, als wenn sie mit dem Klinik-Shuttle-Bus mitfahren würde.
Zuerst ein Anruf, zur Sicherheit, ob sie auch aufgestanden ist, dann mach ich mich fertig und fahre zu ihr. Ein bisschen Zusatzzeit rechne ich mit ein, dass ich ihr noch beim Anziehen helfen könnte, aber das hat eigentlich immer ganz gut geklappt.

Um 8:00 Uhr soll Mutti in der Klinik sein, denn da gibt’s dann immer erst mal ein gemeinsames Frühstück für alle Patienten.
Mein erstes Timing ist gut, ich habe eine dreiviertel Stunde Fahrtzeit eingerechnet, und das kommt ganz gut hin; wer den Münchner Berufsverkehr kennt, weiß wovon ich rede Yell.

Als ich Mutti auf die Station begleite, und sie bei der Schwester „abgebe“, denke ich mir mit einem Schmunzeln im Herzen:
„So ähnlich muss es sein, wenn man sein Kind das erste Mal in den Kindergarten bringt.“
Die Schwester empfängt Mutti sehr freundlich und begleitet sie zu ihrem Platz am schön gedeckten Frühstückstisch. Ich verabschiede mich von ihr und wünsche ihr viel Spaß.

Auf meinem Weg in die Arbeit (ich bin viel zu früh dran, aber heimfahren lohnt sich nicht), gehe ich jetzt 3 Wochen lang in verschiedene Cafés zum Frühstücken. Anfangs finde ich das ganz toll und genieße diesen Luxus, aber mit der Zeit geht es mir schon auch an die Substanz, dass meine Tage jetzt immer schon ein paar Stunden früher anfangen.

Bei unserem allabendlichen Telefonat ist Mutti immer sehr erschöpft.
Den ganzen Tag auf Achse zu sein, war früher für sie ganz normal; aber jetzt ist ihre Kraft einfach nicht mehr so da, und da hat sie schon ganz schön zu kämpfen.
Ich bin sehr stolz auf sie, dass sie das Programm trotzdem so eisern mitmacht und nicht auf halber Strecke kapituliert.

Ich denke, ihr gefällt es auch recht gut dort. Denn selbst wenn sie im Auto noch ganz antriebslos und müde ist, betritt sie auf der Station mit einem freudig in die Runde geschmetterten „GUTEN MORGEN“ fröhlich den Speiseraum, wo auf ihrem Platz schon ihr bestelltes Frühstück wartet.
Abends erzählt sie mir dann, was tagsüber so los war – beim Erinnern hilft ihr der tägliche „Stundenplan“, der die Patienten durch den Tag begleitet.
Es wurde „Mensch ärgere Dich nicht“ oder Quartett gespielt, und das Ausmalen von Mandalas hat ihr besonders gut gefallen.
Auch wurden Untersuchungen durchgeführt, Hände und Nacken massiert, eine leichte Krankengymnastik soll helfen, den Gang wieder sicherer zu machen, und so weiter.


Die Ergebnisse am Ende der 3 Wochen zeigen, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Die erneut durchgeführten Tests zeigen eine deutliche Verbesserung ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten.
Wir haben eine Diagnose und wissen jetzt, dass wir es mit Alzheimer zu tun haben
(d.h. Mutti weiß es eher nicht), Mutti ist medikamentös gut eingestellt, und ich bekam von dem Sozialpädagogen gute Tipps für unseren weiteren Alltag:

  • Ich kann vom Hausarzt eine Verordnung bekommen, dass ein Pflegedienst meiner Mutter die Medikamente verabreicht.
  • Ich kann Pflegestufe 0 beantragen und so zusätzliche Unterstützung zu einem geregelten Tagesablauf für meine Mutter bekommen.

Mutti braucht Struktur und Orientierungshilfe um wieder mehr Sicherheit zu bekommen.
Sie braucht eine Anweisung, um aktiv zu werden und ihre vorhandenen Fähigkeiten müssen durch Anleitung erhalten werden.

Also: Ran an die neuen Aufgaben!

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2 Kommentare zu Muttis „3-Wochen-Marathon“ in der Memory-Klinik

  1. Swantje Burmester sagt:

    Liebe Gabi,
    du warst ja wieder sehr fleißig und kannst soo stolz auf dich sein. Zum Einen über diese Arbeit hier und zum Anderen, wie sehr Du Dich immer wieder mit Deiner Mutti und ihrer Erkrankung auseinandersetzt, immer an ihrer Seite bleibst. Du schreibst und bist so warmherzig, kreativ und offen und reflektierst Dich, Dein Verhalten, Deine Gefühle, aber auch die Deiner Mutti und aller, die mit ihr zu tun haben. Das finde ich wirklich bewundernswert, wegweisend und mutmachend für andere Betroffene. Wie schön, dass Deine Mutti Dich hat in dieser Situation.
    Ganz liebe Grüße
    Swantje Burmester

    • Gabi sagt:

      Liebe Swantje,
      etwas verspätet aber sehr von Herzen möchte ich mich für Deinen lieben Zuspruch bedanken.
      Deine Bestätigung, dass mein Tun sinnvoll ist, auch für andere Betroffene, ist wie ein Turbo für mich. Immer wieder kommen mir Zweifel, ob es überhaupt jemandem etwas bringt, ein bisschen an unserem Leben teilzuhaben. Aber so ein positives Feedback beflügelt mich immer wieder neu.
      Vielen Dank dafür und ganz liebe Grüße
      Gabi

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