Muttis Demenzbegleiterin stellt sich vor…

…und weiter geht’s auf unserer Fahrt und es wird mir nicht langweilig.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Ereignisse überschlagen sich, und sehr oft,wenn ich so zurückschaue, wundere ich mich, wo ich nur die Zeit hergenommen habe. Meine unregelmäßigen Arbeitszeiten, die manchmal erst Mittags starten und dafür bis spät in die Nacht dauern, und die Tatsache, dass ich seit einiger Zeit am Freitag nicht mehr arbeite, erleichtern mir oft die ein oder andere Terminvereinbarung.

Und so werden an dem einen Freitag in Muttis Wohnung Rauchmelder installiert. Der Sozialdienst in der Memory-Klinik hat mir das wärmstens ans Herz gelegt, und nachdem sie kürzlich einen Schweinsbraten im Backrohr vergessen hat (ich habe durch Zufall die eingebrannte Auflaufform gefunden), war es wirklich höchste Zeit für diesen Schritt.
Bei solchen Anlässen lasse ich sie nicht mehr alleine. Auch wenn ich ihr sage und aufschreibe, dass jemand von den Johannitern kommt und die Rauchmelder anbringt, würde sie an dem betreffenden Tag wahrscheinlich nichts mehr davon wissen und hätte sicher großen Stress mit so einer Situation.

Am Freitag drauf können wir zum Glück den verlegten Handsender von Muttis Hausnotruf wieder zurückgeben und bekommen auch das Geld für den Zweitsender zurückerstattet. Er ist wie von Zauberhand plötzlich wieder aufgetaucht und Mutti hat keine Ahnung mehr, wo sie ihn gefunden hat.

Zeitgleich kommt eine Dame von den Johannitern und stellt uns Muttis neue
Demenzbegleiterin vor. Das alles zusammen macht sogar mir ein bisschen Stress.

Eine patente, etwas stämmige Frau kommt die Treppe rauf und ich denke mir auf den ersten Blick:

‚Prima! Das passt!‘

Im Schlepptau hat sie ein zierliches Persönchen mit Schlapphut.
Sehr ätherisch, sehr zart, ein wenig verbissen und sehr eigen (ein bisschen erinnert sie mich an meine frühere Klavierlehrerin)

Als sich schnell herausstellt, dass diese schmale, blasse, etwas freudlos wirkende Person die „Gesellschafterin“ für Mutti sein soll, bin ich enttäuscht.

Ich wollte extra jemanden, mit dem Mutti ratschen kann wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und mit dem sie auch „a Gaudi“ machen und lachen kann – diesen Eindruck vermittelt mir „Fräulein Schlapphut“ jedoch nicht.
Offensichtlich ist die Auswahl an möglichen Demenzhelfern nicht allzu groß.

Doch was hilfts. Ich hab mich dafür entschieden, diese Möglichkeit zu versuchen, und wer „A“ sagt muss ja bekanntlich auch „B“ sagen.
Ein bisschen tut mir Mutti jetzt auch wieder leid. Sie muss schon ganz schön flexibel sein – eine Stärke, die ich bis heute sehr an ihr bewundere.
Dieses „Fräulein Schlapphut“ kommt jetzt einmal pro Woche zum Ratschen und was den beiden sonst so einfällt.

Da möchte ich nur zu gern einmal Mäuschen spielen 🙄 …

 

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