Nebenwirkungen der Schulung

Neben den interessanten Inhalten, die die Demenzbegleiter-Schulung vermittelt, sind die menschlichen Begegnungen nicht zu unterschätzen.
Sehr herzliche Frauen sitzen mit eher herben Zeitgenossinnen um einen Tisch (wir hatten nur einen einzigen Mann in unserer Runde), und alle beschäftigen die gleichen Fragen:

Wie kann ich meinem an Demenz erkrankten Angehörigen helfen?
Wie kann ich ihn besser verstehen?
Wie kann ich besser mit der Situation umgehen?

Nicht alle Menschen liegen einem gleich gut, und so sind auch in dieser Runde welche, die wachsen einem schnell ans Herz, und von anderen würde ich, falls ich an Demenz erkrankt wäre, lieber nicht begleitet werden; so ist das halt im Leben.

Von einer mir sehr sympathischen Teilnehmerin, die im ASS  (Ambulantes Senioren-Informations- und Servicezentrum) in Höhenkirchen arbeitet, erfahre ich von einem Informationsabend über das Thema „Demenz„.
Der Referent ist Herr Dr. Fuchs aus der Memory-Klinik im Neuperlacher Krankenhaus. Auf ihn wurde ich schon von einem Mitarbeiter der Alzheimer-Gesellschaft Landkreis München Süd aufmerksam gemacht und die Chance, diesen Arzt – vor einem eventuellen Termin mit meiner Mutti – schon einmal zu erleben und kennenzulernen, wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.

Und so hetzte ich nach der Arbeit nach Höhenkirchen, und war schon ein bisschen aufgeregt, was mich da wohl erwarten würde.
Der Saal füllte sich ziemlich schnell, und Herr Dr. Fuchs ist aufgetreten wie ein „normaler Mensch.“
Da waren keine Allüren zu spüren (das reimt sich sogar Wink ), und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass da ein „Halbgott in weiß“ vor mir steht.
Nein! Ganz im Gegenteil!
Ein ganz normaler Mann, der in ganz normalen Worten (soweit das halt möglich ist bei diesem Thema) die Krankheit erklärt, und der zudem auch noch von Erfahrungen in seiner eigenen Familie erzählt.

Ich hänge ihm an den Lippen und denke nur:
‚Ach hätte ich mit Mutti doch nur so einen Arzt erwischt! Da hätten wir uns viel Aufregung und Leid erspart. Wie kann das nur sein, dass der eine Neurologe so ein ungehobelter Klotz war, und der hier so warmherzig, nett und freundlich ist?‘

Ja, und so fahre ich nach diesen total spannenden Abend nach Hause und habe wieder neuen Denkstoff, der mir nachts durch den Kopf spuken kann:
Memory-Klinik – Tagesklinik – Diagnose – Demenz – Alzheimer – und so weiter – und so weiter…
Zur Achterbahn der Gefühle kommt jetzt auch noch das Karussell im Kopf; eine wilde Mischung, das kann ich Euch sagen.

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