Pause von der Memory-Klinik und Urlaub zu zweit

Als kleine „Belohnung“ dafür, dass Mutti so tapfer jeden Tag ihr Programm in der Memory-Klinik absolviert, fahre ich mit ihr auch in diesem Jahr (wir befinden uns im Mai 2012) wieder in unseren  „Mutter-Kind-Urlaub“.

Wie schon beim letzten Mal habe ich mich auf die Suche nach einem passenden Hotel gemacht. Es sollte nicht zu nobel sein (man will  ja zum Wohlfühlen und nicht zum Schaulaufen fahren), dennoch nett und am Besten mit gutem Essen. Auch ein kleines Schwimmbad wäre nicht schlecht – was der Mensch zum Wohlfühlen für ein paar Tage halt so braucht.
Und hier im Bayerischen Wald habe ich dann auch das Passende gefunden.

hotel_schoenberg_01

Wir haben wieder 2 Zimmer nebeneinander und ich bin bestens vorbereitet:
Muttis Rollator ist mit dabei (damit geht sie einfach viel sicherer) und von einer befreundeten jungen Mama hab ich mir ein Babyphon ausgeliehen. So kann es nicht passieren, dass Mutti wieder in eine Notlage kommt – das hab ich ganz am Anfang erzählt – und niemand ihr Rufen hört.

Aber schon in der ersten Nacht – ich schlafe wohl auch nicht sehr tief – höre ich ein leises Klopfen. Erst schenke ich dem Geräusch gar keine Beachtung, denn wenn was in Muttis Zimmer los wäre, würde ich es ja übers Babyphon hören.
Aber das Klopfen geht weiter und ich stehe auf und gehe an Muttis Zimmertüre. Zum Glück habe ich den Schlüssel, denn Mutti kommt nicht mehr alleine von der Toilette hoch. Die sind aber auch wirklich sehr niedrig angebracht.
Das mit dem Babyphon hat sie schon längst wieder vergessen, und so hat sie, statt zu rufen, nur vorsichtig mit ihrem Stock an die Duschwand geklopft.

Nur gut, dass ich das Klopfen gehört habe. Mutti ist fix und fertig, und wie es mir geht, muss ich – glaube ich – nicht näher erklären 🙁 .
Den Rest der Nacht schlafe ich nur noch mit einem halben Auge, und so sehe ich am nächsten Morgen auch aus.
Als ich den Wirt auf unser nächtliches Dilemma anspreche, kümmert er sich gleich darum, dass in Muttis Bad eine Toilettensitz-Erhöhung angebracht wird!

Problem gelöst! Kaffee verdient!

Cappuccino Schönberg

Während Mutti beim Friseur sitzt (wo sie am Ende fast ihr Hörgerät vergessen hätte), gönne ich mir einen Cappuccino bei einem kleinen Italiener. Ich fühle mich sehr allein und bin ziemlich traurig, weil mir meine Mutti irgendwie so durch die Finger rinnt. Als mir der italienische Ober dann meinen lächelnden Cappuccino serviert, könnte ich heulen.

Wir frühstücken immer ganz gemütlich, ich schaffe emsig all die Leckereien vom Buffet zu Mutti an den Tisch, die sie sich wünscht, und sie ist zufrieden. Tagsüber fahren wir ein bisschen durch die Gegend – auch ein Besuch bei unseren Verwandten steht auf dem Programm – und Mutti freut sich sehr, sie alle wieder zu sehen.
Die Zeit vor dem Abendessen schläft Mutti immer ein bisschen; es ist halt doch alles ziemlich anstrengend für sie.
Aber das Abendessen lassen wir uns dann wieder schmecken, und wenn Mutti danach bald im Bett ist, atme ich durch, gönne mir noch einen kleinen Aperol Sprizz und viele Gedanken rattern mir wie verrückt durch den Kopf.

Dadurch dass wir so den ganzen Tag zusammen verbringen, merke ich erst richtig deutlich, wie schlecht das mit dem Gedächtnis ist. Kaum haben wir ausgesucht, was wir abends essen wollen, kommen schon wieder die bekannten Fragen:

„Was gibt’s denn abends zum Essen?“
„Haben wir schon was bestellt?“
„Was hab ich jetzt eigentlich bestellt?“

Es ist ein Wahnsinn!

Dieser Beitrag wurde unter Persönliches, Schönes, Versuche abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*