Unser erster Termin beim Neurologen

Im Oktober 2010 war es dann soweit.
Nachdem die Klagen über die „Leere da oben“ nicht aufhörten, hab ich Mutti überredet, mit mir zum Neurologen zu gehen.
Die Aufregung war groß und der Arzt jung und gutaussehend; davon war er auch sichtlich überzeugt.

Er behandelte sie sehr von oben herab, putzte sie runter, dass sie in einem „miserablen Trainingszustand“ sei, und ob sie sich in Zukunft immer auf die Hilfe ihrer Tochter verlassen möchte.
Ich saß nur dabei und schwankte zwischen Mitleid mit meiner armen alten Mutti und dem bedingungslosen Beipflichten zu den Ausführungen das Arztes.

Im Nachhinein hab ich mich ganz furchtbar gefühlt. Wie konnte ich nur so dasitzen und ihr nicht helfen; sie hat mich in all den vielen Jahren kein einziges Mal so im Stich gelassen.

Der Test zur Gedächtnisleistung hatte zwar ein paar Auffälligkeiten, aber die waren nach Auskunft des Arztes nicht so schlimm. Heute würde ich nachfragen, was er denn genau festgestellt hat, aber damals hatte ich ja mit dieser Erkrankung – Demenz, Altersdepression – wer weiß das schon, noch keinerlei Berührung gehabt.

Ausgestattet mit einem Lavendelpräparat zur Stimmungsaufhellung wurden wir dann aus der Praxis entlassen. Im Januar sollen wir wiederkommen….

Im Aufzug hat mir Mutti dann ganz stolz anvertraut, dass sie das Blatt mit den Begriffen, die sie sich merken sollte, auswendig gelernt hat, weil sie da eine Zeitlang alleine im Untersuchungszimmer war – da fließt halt echtes Theaterblut in ihren Adern.

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