Wie sag ich’s meiner Mutti? Ein „Verkaufs-Gespräch“

Im April 2012 ist es nun soweit.

Ich bekomme einen Anruf, dass ich mit meiner Mutter am 27.4.2012 für einen Vorstellungstermin in der Memory-Klinik vorgemerkt bin.

Jetzt kann’s also losgehen!
            Aber wie und wann soll ich es nur meiner Mutti beibringen?

Ich bin sehr froh, dass ich mit meinen Fragen vorher nochmal ins Angehörigentreffen gehen kann, und erhoffe mir Tipps, wie ich meine Mutter am Besten auf diesen Termin vorbereiten kann.

Ich erzähle von meiner Angst:

  • dass sie das nun vielleicht doch nicht mag;
  • dass ich mir Sorgen mache, wie ich sie durch die ganze Stadt kutschieren soll, ohne die Möglichkeit, mal schnell eine Toilette zu finden;
  • dass mein Plan mit der Memory-Klinik vielleicht doch nicht zu ihrem Besten ist;

dass  –  dass  –  dass  ………………….

Tausend „ja abers“ sausen mir durch den Kopf.

Doch alle Anwesenden sind einhellig der Meinung, es ist gut, diesen Weg zu gehen, aber die Mutti auf keinen Fall lange vorher „darauf vorzubereiten“.
Das würde bei ihr nur zu einem Gefühl der Beunruhigung und Verunsicherung führen, das sie dann aber nicht mehr einordnen kann, wenn sie den Grund dafür vergessen hat.

Also erspare ich ihr das und fahre erst am Abend vor unserem Termin zu ihr. Bei ihr steige ich mit einem inneren „it’s showtime“ aus dem Aufzug und verkaufe ihr das Ganze voller Begeisterung als „großes Glück„.

„Stell Dir vor, was wir für ein Glück haben!
Ich hab Dir doch von dem netten Doktor erzählt, der sich darauf spezialisiert hat, wie man älteren Menschen helfen kann, dass es ihnen wieder besser geht.“

Sie erinnert sich, dass ich ihr von Dr. Fuchs erzählt habe, und ich erzähle begeistert weiter.

„Das ist so ähnlich wie eine ambulante Kur. Da gibt es nur 2 Kurkliniken in ganz Bayern, und wir haben das Glück, dass wir zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen sind.“

Sie fragt, wie wir denn dazu gekommen sind, und wann die Kur anfangen würde.

„Ich hab Dir doch schon vor längerer Zeit versprochen, dass ich mich darum kümmere, was wir tun könnten, dass es Dir wieder besser geht, und da hab ich eine Bewerbung hingeschickt. Da kann man nämlich nicht einfach so hingehen, da muss man sich bewerben, und wenn man Glück hat, wird man eingeladen.
Und jetzt stell Dir vor, was wir für ein Glück haben: die haben eigentlich ganz lange Wartezeiten, und jetzt hat jemand abgesagt, und wir könnten diesen Platz kurzfristig bekommen.“
Ich achte sehr darauf, dass Mutti meine Sorge nicht spürt, und bleibe auf meinem eingeschlagenen Weg der Begeisterung über so viel Glück.

Mein ganz großes Glück ist, dass mir Mutti vertraut, und dass sie trotz ihrem Alter und ihrer Krankheit ihre Spontanität nicht verloren hat. Sie zuckt zwar schon zusammen, als sie hört, dass der Termin für das „Vorstellungsgespräch“ schon morgen ist. Aber nachdem ich ihr versichere, dass ich die ganze Zeit bei ihr bleibe, dass sie nirgends alleine hin muss, meint sie nur: „Wenn Du meinst, dass das was ist, dann mach‘ ma des.“

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