Wo ist das Armband von Muttis Hausnotruf?

Am Ende der 3-wöchigen „Kur“ ist Mutti zwar sehr froh, weil ihr das frühe Aufstehen schon sehr schwer gefallen ist. Trotzdem sagt sie jetzt:

„Da sitz ich jetzt wieder den ganzen Tag alleine rum!“

Es tut mir in der Seele weh, aber ich kann nicht Tag für Tag für ihre Unterhaltung sorgen. Ich rede ihr gut zu, dass sie jetzt schon dranbleiben muss, ins ASZ zum Essen gehen, usw. Mehr fällt mir im Moment dazu leider nicht ein.

Und die nächste Aufregung haben wir auch gleich am ersten Tag nach Abschluss der Memory-Klinik:

Das Armband vom Hausnotruf ist spurlos verschwunden!
Mutti hat einen Hausnotruf von den Johannitern,
seit sie damals im Juli 2010 im Hotel gestürzt ist.

Wir waren bei Mutti zum Kaffee, ich hab ihr Bett frisch bezogen und sonst noch so einiges im Haushalt erledigt, und plötzlich fällt uns auf, dass das Notruf-Armband nicht da ist.

Und schon ist mein ganzes Gelerntes beim Teufel!
Ich rege mich furchtbar auf, frage, warum sie es denn nicht immer an den gleichen Platz legt, mache ihr Vorwürfe – wahrscheinlich nicht mehr ganz so heftig wie am Anfang unseres Weges – aber immerhin! Gut war das nicht.

Mutti weint, sie sagt, sie will sterben, wir stellen zu Dritt die ganze Wohnung auf den Kopf, es ist furchtbar.

Eigentlich gut, dass in dieses ganze Chaos Muttis Nachbarin hineinplatzt.
Erst bin ich gar nicht begeistert von diesem Besuch; ich denke immer noch, wir müssen doch dieses sch… Armband finden.
Aber da die Nachbarin recht unbelastet dazugestoßen ist, kann sie die Ruhe bewahren.
Sie redet Mutti gut zu und tröstet sie sehr einfühlsam.

Heute weiß ich, das wäre eigentlich mein Part gewesen!

Sie wollte Mutti eigentlich abholen um zusammen in die Kirche zu gehen und wir finden die Idee ganz gut. Das holt sie wenigstens aus dieser Verzweiflung heraus. Kuni und ich suchen dann alleine nochmal alle möglichen Ecken in der Wohnung ab, aber das Armband bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

Ich informiere die Johanniter über den Verlust und erfahre, dass wir erst mal Ersatz bekommen. Sollte sich der Sender aber nicht in angemessener Zeit finden, müssen wir das Ersatzgerät bezahlen – na prima!

Dieser Beitrag wurde unter Bedrückendes, Persönliches abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Wo ist das Armband von Muttis Hausnotruf?

  1. Kornelie Rahnema sagt:

    Liebe Gabi,
    jetzt habe ich heute an dem verregneten Sonntag endlich in Ruhe in Deiner Website gestöbert. Was für einfühlsame und aussagekräftige Geschichten und Berichte! Mein großer Respekt für die viele Arbeit, die darin steckt und die hohe Qualität. Ich bin wirklich ganz beeindruckt. Daraus ist viel zu erfahren und zu lernen für Betroffene, die vielleicht noch ganz am Anfang der Auseinandersetzung mit der Demenz stehen, aber auch für alle anderen Beteiligten, Ärzte, Pflegekräfte, Institutionen ….
    Mach unbedingt weiter!
    Bis bald wieder persönlich
    Viel Gutes für Dich und Deine Mutti
    Conny

    • Gabi sagt:

      Liebe Conny,
      vielen Dank für Deinen liebevollen Zuspruch.

      Ich konnte mich jetzt eine Weile nicht um meinen Blog kümmern, doch beflügelt durch Deine positive Rückmeldung werde ich mich sicher bald wieder an die Arbeit machen und von neuen Erlebnissen erzählen.
      Offensichtlich lohnt es sich doch, „dranzubleiben“. Denn genau diese Absicht habe ich, Betroffenen ein bisschen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Schwierigkeiten nicht alleine sind.

      Ich freue mich sehr, dass Dir mein Blog gefällt.
      Bis bald – liebe Grüße
      Gabi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*